Alexander Poetzsch aus Dresden
26.01.2026 | Rückblick Eröffnungsabend Architektur im >Kontext< 2026
Engagement pur: Zum Auftakt 2026 der diesjährigen Staffel Architektur im Kontext erlebten die rund 350 Zuhörer mit Alexander Poetzsch einen Gast, der sich der Baukultur gleich in mehreren Rollen widmet: als selbstständiger Architekt, als engagierter Gründer und seit September 2025 als BDA-Präsident, dem höchsten Ehrenamt des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und der BDA Münster-Münsterland gratulierten ihm an diesem besonderen Abend im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster.
Wer Alexander Poetzschs Biografie studiert, erkennt, dass besonders Umbruchzeiten ihn prägten. 1976 in Chemnitz geboren, erlebte Poetzsch das einstige Karl-Marx-Stadt noch als Zentrum des Maschinenbaus, mit sozialistischem Wohnungsbau und industriellen Großbetrieben. Der Mauerfall 1989 änderte dies grundlegend. Sein Architekturstudium (1996-2003) absolvierte er an der neu eingerichteten Architekturfakultät der TU Dresden, mit einer kurzen Zwischenstation an der KTH Stockholm. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts stellten sich drängende Zukunftsfragen:
Wie kann Bauen deutlich nachhaltiger werden? Und wie diese Transformation gestalten?
Nach der Zusammenarbeit mit verschiedenen Architekturbüros gründete er 2015 sein eigenes Büro in Dresden - mit heute rund 30 Mitarbeitenden. Voraus ging 2011 die Gründung der Initiative Zeitgenossen e.V., einer Plattform für zeitgenössische Baukultur in Dresden. Zusammen mit weiteren Partnern entwickelte sich die Idee eines Zentrums für Baukultur Sachsen (ZfBK), welches schließlich 2017 im Kulturpalast Dresden eröffnen konnte.
Sachsen mit seinen Großstädten Dresden, Leipzig und Chemnitz sowie dem ländlichen Raum bot Poetzsch über die Jahre nicht nur ein reiches baukulturelles Erbe, sondern auch einen wichtigen gesellschaftlichen Diskursraum: Wie umgehen mit den unterschiedlichen Raum- und Zeitschichten bei Bestandsbauten? Wie weiterbauen in Zeiten der Umbaukultur?
Die gezeigten Projekte geben Antworten - sensibel, bisweilen forsch und erfrischend. Versteckte oder verbaute Räume werden wieder lesbar und nutzbar. Ob Stadtschloss oder Fabrikhalle, Salon oder Scheune: Bei der Gestaltung seiner Gebäude bleiben die Zeitschichten sichtbar und der Wandel nachvollziehbar. Prominente Beispiele sind in Dresden Umbauten im berühmten Zwinger sowie im Schauspielhaus und im Kraftwerk Mitte. Ebenso entstanden dort das Haus der Kathedrale sowie der Umbau einer Fabrikhalle für den Deutschen Kinderschutzbund e.V., die kürzlich den Deutschen Architekturpreis 2025 erhielt.
Glück ist, wenn das Wenige dem Wesentlichen entspricht - so zitierte Poetzsch zum Abschluss den Schriftsteller John von Düffel. Seine Projekte strahlen dies aus. Der weitere Weg wird spannend bleiben.