Das Freilichtmuseum in Detmold, 1971 vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe gegründet, gilt als größtes seiner Art in Deutschland. Auf 90 Hektar zeigt es westfälische Alltagskultur der vergangenen 500 Jahre und mehr als 120 historische Gebäude aus verschiedenen Regionen Westfalens. Seit Anfang Juli 2026 ergänzt ein neues Eingangs- und Ausstellungsgebäude das Ensemble. Der Neubau versteht sich als „Forum“. Er empfängt die Besuchenden künftig ganzjährig, anders als das Freilichtgelände. Mit diesem erweiterten Angebot änderte das Museum auch seinen Namen. Es heißt nun LWL-Museum Hellerlecht|Detmold. Kurz nach der Eröffnung besichtigte die LWL-Baukultur den Neubau bei einem Hausbesuch gemeinsam mit mehr als 50 Teilnehmenden.
Erweiterung: räumlich und inhaltlich
Geplant haben den Bau ACMS Architekten aus Wuppertal unter der Leitung von Simon Waigand. Das Büro gewann 2018 den Wettbewerb mit dem Entwurf von drei in den Hang geschobenen Volumen. Auf einen weithin sichtbaren „Leuchtturm“ verzichteten die Planer:innen bewusst. Stattdessen verteilten sie das Raumprogramm auf eine „Eingangslandschaft“, die an die dörfliche Struktur des Freilichtgeländes anknüpft. Die drei Bereiche – Foyer/Auditorium, Ausstellung sowie Bistro/Workshopräume – sind klar zu erkennen und bilden doch ein zusammenhängendes Ganzes. Über innen- und außenliegende Treppen bewegt sich das Publikum durch die verschiedenen Ebenen.
Mit den erweiterten Raumkapazitäten wächst das Museum auch inhaltlich. Vor allem öffnet es sich stärker der Kunst, wie Museumsdirektorin Dr. Marie Luisa Allemeyer erläuterte. Denn in der neuen, rund 800 Quadratmeter großen Ausstellungshalle können erstmals Sonderausstellungen stattfinden, die auch strenge konservatorische Anforderungen für hochempfindliche Exponate erfüllen. So werden Ausstellungen möglich, die noch überraschender von der Alltagskultur erzählen, indem sie die Themen Handwerk und Bautechnik programmatisch mit der Kunst verbinden – nach dem Motto: „Mähdrescher trifft van Gogh“.
Holz und Lehm im 21. Jahrhundert
Dabei stellt der Neubau auch sich selbst aus – als Manifest für zukunftsfähiges Bauen: Am Eingang zum Freilichtmuseum, das das ländliche Bauen vergangener Jahrhunderte überliefert, veranschaulicht er, wie tradierte Techniken und Materialien heute – zeitgemäß interpretiert – zum ressourcenschonenden Bauen beitragen können: zum Beispiel mit einem Holztragwerk samt leimfrei verbundener Träger von bis zu 13 Metern Spannweite und mit bis zu neun Meter hohen tragenden Stampflehmwänden.
Die ästhetischen und haptischen Qualitäten der Lehmwände wurden vor Ort unmittelbar deutlich. Neben dem warmen Farbton beeindruckten auch die Schalungsabdrücke. Diese lassen noch erahnen, wie die Wände abschnittsweise in Lagen entstanden, während der Lehm zwischendurch verdichtet wurde und schrumpfte. Besonders eindrücklich wirkt dies in Foyer und Auditorium. Auch die Ausstellungshalle – als „Raum im Raum“ angelegt – zeigt zum Gang hin ihre Lehmwände. Im Innern allerdings wurden diese aus kuratorischen Gründen – ebenfalls auf Lehmbasis – weiß verputzt und gestrichen, um der Kunst mehr Freiheit zu geben. Das bedauerten manche der Teilnehmenden. Zugleich spielt der hier fast unsichtbare Lehm auch im konservatorisch sensiblen Ausstellungskontext seine Qualitäten aus, indem er als natürlicher Klimapuffer mit seiner Speichermasse die Temperatur und Feuchtigkeit reguliert. Dieser Low-Tech-Ansatz bricht mit der üblichen Praxis hochtechnisierter Museumsarchitektur und minimiert den Bedarf an konventionellen Klimaanlagen, was Ressourcen schont und Kosten spart. Über seinen Lebenszyklus betrachtet soll der Neubau CO2-neutral werden, wie Sabine Djahanschah von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt erläuterte. Sie hatte den Entstehungsprozess mit einem Forschungsprojekt zum Bau und Betrieb nachhaltiger Museen begleitet. Da wegen der Hanglage stellenweise doch Beton nötig war, entwickelte man eine möglichst ressourcenarme Rezeptur.
So weist das neue „Forum“ nicht nur den Weg zum Freilichtgelände, das sich in der Landschaft dahinter entfaltet, sondern auch in die Zukunft der Museumsarchitektur und des Bauens insgesamt.
Text: LWL/Rethfeld und Liesner