Fotoimpressionen Hausbesuch Kokerei Hansa
Fotos: LWL/Djahanschah und Rethfeld (soweit nicht anders angegeben)
Dr. Sabine Burggräf (Stiftung Industriedenkmalpflege, links) und Wojciech Trompeta (Böll Architekten, rechts)
Industriedenkmal wird zu Veranstaltungshalle und Gastronomie
7. Mai 2026
Ein Jahr vor der Internationalen Gartenausstellung (IGA) Metropole Ruhr 2027 besuchte eine 30-köpfige Gruppe aus westfälischen Verwaltungen und Planungsbüros die Kokerei Hansa in Dortmund, die eine der Hauptattraktionen der Schau wird. Gemeinsam mit dem Team der LWL-Baukultur erkundeten sie das Gelände im Rahmen eines „Hausbesuchs“. Dabei wurde klar: Der „Zukunftsgarten“, der auf dem erweiterten Areal entsteht, wird auch den denkmalgeschützten Bestand (1928–1932) prägen. So wird der Haupteingang verlegt, damit sich die drei Achsen des Geländes beim Betreten direkt vor den Besucher:innen entfalten: die „Schwarze Straße“ mit ihren Ofenbatterien, die „Weiße Straße“ für die chemische Verarbeitung der Nebenprodukte und die dazwischen liegenden Gleis- und Rohranlagen, die heute einem verwunschenen Industriewald überlassen sind. Dr. Sabine Burggräf, Leiterin des Bereichs „Denkmalpflege und Bauen“ der Stiftung Industriedenkmalpflege, erläuterte dies bei der Begrüßung in der Waschkaue und während der Führung über das Gelände. Nach der Stilllegung der Kokerei 1992 hatte die Stiftung sie 1997 übernommen, vor dem Verfall bewahrt und sich der Aufgabe verschrieben, sie – wie andere Industrieanlagen in Nordrhein-Westfalen – zu erhalten, zu erforschen und neuen Nutzungen zuzuführen.
Unabhängig von der IGA wurden 2024 zwei besondere Projekte entlang der Weißen Straße fertiggestellt, die im Mittelpunkt des Hausbesuchs standen. Wojciech Trompeta, geschäftsführender Gesellschafter von Böll Architekten, stellte sie vor. Das ehemalige Salzlager wurde zu einer teilbaren Veranstaltungshalle für bis zu 1.200 Personen umgebaut, ergänzt durch ein Foyer in der angrenzenden ehemaligen Salzfabrik. Da der historische Maschinenpark zwischen beiden Gebäudeteilen – heute eine beeindruckende Bühnenszenerie – keinen direkten Durchgang zuließ, schufen Böll Architekten einen großzügigen Verteilerflur entlang der Längsseite. Dieser erschließt die Halle über mehrere Türen und kragt zur anderen Seite in Form dreier Boxen aus. Die Boxen beherbergen Garderoben, Waschräume und eine Lounge, die als Foyer-Erweiterung durch große Fenster den Blick in die verwilderte Industrielandschaft rahmt. Außen setzen sich die aufgeständerten Boxen mit anthrazitfarbenem Trapezblech von den historischen Backsteinmauern ab, fügen sich aber zugleich in die Struktur des metallenen Rohrsystems ein. Sabine Burggräf und Wojciech Trompeta erinnerten daran, dass solche gestalterischen Fragen erst nach der Sicherung des stark verfallenen Bestands in den Fokus rückten.
Gegenüber dem Salzlager liegt die ehemalige Gastiefkühlanlage, die Böll Architekten und kkd innen-architekten für ein Gastronomieunternehmen umgestalteten. Einschnitte, Emporen und Brücken schaffen spannende Blickachsen zwischen dem lichtdurchfluteten Café im Obergeschoss und dem Sterne-Restaurant im Untergeschoss, dessen Einrichtung in Schwarz gehalten ist. Für die Verwaltung der Gastronomie wurde die benachbarte Antracenöl-Regenerierungsanlage saniert und um einen trapezblechverkleideten Anbau für die Küchenräume ergänzt. Wie beim Salzlager schließt der Neubau an die Rückseite des Bestands an, um die Hauptansicht der Weißen Straße nicht zu stören. Diese endete zum Zeitpunkt des Besuchs noch vor einem Zaun, hinter dem der entstehende IGA-Zukunftsgarten bereits sichtbar wurde – eine Einladung, wiederzukommen und weiterzuentdecken.
Text: LWL/Liesner
Dr. Sabine Burggräf (Stiftung Industriedenkmalpflege, links) und Wojciech Trompeta (Böll Architekten, rechts)
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