Fotoimpressionen Hausbesuch Gemeindezentrum St. Blasius in Balve
Fotos: LWL/Djahanschah und Rethfeld (soweit nicht anders angegeben)
Das Gemeindezentrum als zusätzliches freistehendes Gebäude rund um die Kirche; ©Banz + Riecks Architekten
Skulpturaler Solitär im kirchlichen Kontext
21. Mai 2026
Ein Gebäude, das mit ungewöhnlicher Formensprache, spannenden Perspektiven und einer besonderen Verbindung von Alt und Neu überrascht, stand im Mittelpunkt des jüngsten Hausbesuchs in Balve. Das neue Gemeindezentrum an der Pfarrkirche Sankt Blasius zeigt eindrucksvoll, wie moderne Baukultur im ländlichen Raum gelingen kann.
Gerade in kleineren Städten und Gemeinden sind kirchliche Zentren trotz sinkender Mitgliederzahlen nach wie vor wichtige Treffpunkte. Hier kommen Menschen zusammen, besuchen Veranstaltungen oder engagieren sich für das Gemeindeleben. Auch in Balve im nordwestlichen Sauerland spielt ein solcher Ort eine zentrale Rolle: das neue Gemeindezentrum direkt neben der historischen Pfarrkirche Sankt Blasius.
Ein Haus, das Offenheit ausstrahlt
Schon beim Betreten des Gebäudes fällt das helle, über zwei Etagen reichende Foyer ins Auge. Viel Tageslicht, großzügige Räume und eine hohe Holzdecke schaffen eine freundliche und einladende Atmosphäre. Da im Inneren nur wenige tragende Wände nötig sind, lassen sich die Räume flexibel nutzen – sei es für Kulturveranstaltungen, Vereinstreffen oder andere Aktivitäten der Gemeinde.
Von der Idee bis zur Fertigstellung
Architekt Dietmar Riecks nahm die Teilnehmenden mit auf eine spannende Reise von den ersten Entwürfen bis zum fertigen Gebäude. Nach der Entscheidung, den Vorgängerbau abzureißen, gewann sein Büro Banz + Riecks Architekten im Jahr 2013 den Wettbewerb für den Neubau. Bis zur Umsetzung vergingen jedoch einige Jahre: Nach mehreren Unterbrechungen konnte das Projekt schließlich in den Jahren 2021 und 2022 erfolgreich realisiert werden.
Ein Gebäude, das immer neue Perspektiven bietet
Besonders faszinierend ist die äußere Gestaltung des Gemeindezentrums. Die dunkle Fassade und die ungewöhnliche Gebäudeform sorgen dafür, dass das Haus aus nahezu jedem Blickwinkel anders wirkt. Statt eines klassischen rechteckigen Grundrisses entschieden sich die Planenden für eine Form ohne parallele Seiten. Auch das schräg verlaufende Dach und die Lage am Hang verleihen dem Baukörper eine besondere Dynamik.
Eine geschickt angelegte Rampe nutzt das natürliche Gefälle des Geländes und ermöglicht den barrierefreien Zugang zum Obergeschoss über die Außenanlagen. Die Gestaltung der Freiflächen zwischen dem Gemeindezentrum und dem Küsterhaus übernahmen die Landschaftsarchitekten von wbp.
Alt und Neu im spannenden Dialog
Mit seiner modernen Formensprache hebt sich das Gemeindezentrum bewusst von den Bestandsgebäuden ab. Dabei spielt die Kirche selbst eine besondere Rolle, da ein Teil von ihr romanischen Ursprungs ist und gut erhaltene Wandmalereien aus dieser Zeit wiederentdeckt wurden.
Der 1910 ergänzte neuromanische Zentralbau mit seinem teilweise bleigedeckten Dach inspirierte die Architektinnen und Architekten bei der Wahl des Fassadenmaterials. Diese Verbindung zwischen historischem Bestand und zeitgemäßer Architektur führte beim Hausbesuch zu lebhaften Gesprächen über Materialität, Kontext und Baukultur.
Was gute Baukultur ausmacht
Großes Lob erhielt auch die Einbindung des Gemeindezentrums in die umgebende Parkanlage. Die abwechslungsreichen Blickbeziehungen zwischen Gebäude, Kirche und Landschaft machen den Ort besonders erlebbar.
Für Architekt Dietmar Riecks ist der Erfolg des Projekts vor allem das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit und des intensiven Austauschs mit den Vertretern der Gemeinde vor Ort. Genau darin, so sein Fazit, liegt die wichtigste Grundlage für gelungene Baukultur – gerade auch im ländlichen Raum.
Das Gemeindezentrum als zusätzliches freistehendes Gebäude rund um die Kirche; ©Banz + Riecks Architekten
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